• DIE STILLE NACH DEM SCHUSS (DE 2000)

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Synopsis

Eine Gruppe von RAF-Terroristen muss nach einer missglückten Befreiungsaktion, bei der ein Anwalt erschossen wurde, aus der Bundesrepublik Deutschland fliehen. Unerwartete Hilfe bekommen sie von der Stasi, die ihnen nicht nur Unterschlupf gewährt, sondern auch neue Identitäten verschafft. So erhält Rita Vogt die Chance, ein neues Leben als Arbeiterin in der DDR zu beginnen. Doch weiterhin wird nach ihr gesucht, auch in der DDR ist sie bald keine Unbekannte mehr. Mehrfach fallen die „Legenden“ in sich zusammen, und Rita muss ihre Leben, die sie sich aufgebaut hat, aus Angst vor Enttarnung wieder aufgeben, sich von Menschen und nach und nach auch von ihren Idealen lösen. Als die Wende kommt, muss sie ein letztes Mal fliehen…

Vorlage

Erste Überlegungen zu einer Verfilmung dieser „deutsch-deutschen Geschichte“ finden bereits zu der Zeit statt, mit der der Film endet: die deutsche Wiedervereinigung. Volker Schlöndorff, der Anfang der 1990er Jahre die Geschäftsführung der DEFA-Studios Babelsberg übernimmt, lernt dort Wolfgang Kohlhaase kennen. „Als alte Filmprofis verstanden wir uns sofort, wollten einen Film über die Wende machen. Wir begannen – wie für einen Pitaval – Fälle zu sammeln, die so nur hier und heute passieren konnten.“ (Schlöndorff 2011, S. 442)

Sie stoßen dabei auf die wahre Geschichte von RAF-Aussteigern, die Anfang der 1980er Jahre in der DDR untertauchten. Unter anderem waren dies Susanne Albrecht, Nichte des ermorderten Bankiers Jürgen Ponto, Henning Beer und Inge Viett, an deren Biographie die Figur der Rita angelehnt ist. „Es handelt sich um Ereignisse der Zeitgeschichte, alle Abläufe sind sorgfältig recherchiert, auch mit den Betroffenen, und doch sind die Personen und die Handlung frei erfunden.“ (Schlöndorff, Stille-28_6_6_01_001a)

Die Brisanz des Themas sorgt dafür, dass das Filmprojekt immer wieder auf Ablehnung stößt: „Eine Terroristin und ein Stasimann, die beide nicht unsympathisch waren – daraus wurde in der Wahrnehmung: Sie sind also für die Stasi und den Terrorismus?! Zwei Tabus in einem Film: Das war dem Fernsehen, den Verleihern und den Förderern zu viel. Es sollte sechs Jahre dauern, bis meine Nachfolger im Studio, Friedrich-Carl Wachs und Andreas Hofer, sich des Projektes annahmen und es ausgerechnet mit dem MDR in Leipzig produzierten.“ (Schlöndorff 2011, S. 446)

Vorbereitung und Produktion

Unter vielen namhaften Schauspielerinnen, die für DIE STILLE NACH DEM SCHUSS vorsprachen (u.a. Franka Potente, Karoline Eichhorn, Claudia Michelsen), wird Schlöndorff bei der Suche nach ›seiner‹ Rita nicht fündig. Er entdeckt sie stattdessen auf der Bühne, in Disco Pigs, in der Baracke Berlin: Bibiana Beglau, die noch nie für einen Kinofilm vor der Kamera gestanden hat, „[…] hat mir auf Anhieb gefallen, weil sie so körperlich spielte mit fast athletischem Einsatz, vielleicht auch, weil ihr Gesicht mich stark an Angela Winkler, die Heldin aus KATHARINA BLUM erinnerte.“

Harald Schrott wird von Schlöndorff ebenfalls im Theater für die Rolle des Andi entdeckt. Nadja Uhl und Jenny Schily bekommen die Rollen nach einem Vorsprechen, Martin Wuttke als Hull, nachdem ihn Schlöndorff beim 90. Geburtstag von Schauspielerin Marianne Hoppe erlebt: „Da ging soviel Frische von ihm aus, und doch spürte man auch, er könnte den Mephisto spielen, dass ich dachte, das ist der ideale Oberst für die Stasi. Und er ist der einzige in der ganzen Besetzung des Films, der übrigens nicht aus dem Osten kommt.“

Rezeption

Auch während und nach der Fertigstellung sorgt der Film für Diskussionen:

Wir hatten die Terroristen als Menschen gezeigt, und der Stasimann, der sich ihrer so fürsorglich annahm entsprach auch nicht dem gängigen Klischee. Überhaupt, die ganze Darstellung des Lebens im Osten – fanden die im Westen – war falsch! (Schlöndorff 2011, S. 447).

Inge Viett, die ursprünglich als Beraterin für den Film hinzugezogen wurde, distanziert sich vom Projekt, da der Film „entpolitisiert“ und zu „effekthascherisch“ sei (SPIEGEL, 16.2.2000). Für Viett mache Schlöndorff nicht deutlich, dass es sich beim Film um eine fiktive Geschichte und Person handelt – und verklagt den Filmemacher wegen Urheberrechtsverletzung. Man einigt sich außergerichtlich.

Zur gleichen Zeit läuft der Film auf der Berlinale mit großem Erfolg im Wettbewerb: Bibiana Beglau, die als Entdeckung des Films gefeiert wird, und Nadja Uhl werden für ihre darstellerischen Leistungen mit einem Silbernen Bären ex aequo ausgezeichnet, Volker Schlöndorff gewinnt den Großen Preis der Europäischen Film- und Fernsehakademie („Blauer Engel“). Doch die Kritiker sind gespalten: auf der einen Seite wird der Blick auf die DDR als nostalgische Verklärung des West-Terrorismus und DDR-Alltags gesehen (Kaden, Martina in: B.Z., 14.09.2000), der Film sei „gefällig, populistisch, banal“ (zit. n. Kilb, Andreas in: FAZ, 14.9.2000). Auf der anderen Seite wird Schlöndorffs Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Vergangenheit als „unverhofftes Comeback“ gesehen (Kilb 2000), sein „lakonischer Inszenierungsstil“ als „kongeniale Ergänzung“ zu Kohlhaases „pointierten Dialogen und seinem trockenen Humor“ (Hamacher, Rolf Ruediger in: filmecho | filmwoche 36/2000) und der Film als Wiederaufleben des „deutschen Autorenfilm[s] samt seiner politischen Intention“ (Palma, Claudia, in: MAZ, 9.9.2000).

Volker Schlöndorff über die Anfangssequenz (Audiokommentar)

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