• BAAL (BRD 1969)

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Synopsis

Man muss das Tier herauslassen, ans Sonnenlicht mit dem Tier.

Der anarchistische Dichter Baal ist zwei Dingen im Leben ganz besonders zugetan: Dem Alkohol und dem Sex. Um letzteren zu bekommen, betört er Männer wie Frauen mit seinen lyrischen Zeilen, bis er sie vollkommen ausgesaugt hat durch seine egozentrische, extrem launische Art. Die ihm hoffnungslos Verfallenen werden kurzerhand ersetzt. Letztlich bleibt ihm immer noch die Schnapsflasche, die er auch der gerade geschwängerten Sophie vorzieht. Als er selbst seinen letzten, ewig treuen Weggefährten zerstört, ist Baal nun derjenige, der einsam und elendig im Wald zugrunde gehen muss.

Vorlage

Was kann ich dafür, wenn dein Wein, den du mir gibst, mich besoffen macht!

Basierend auf dem gleichnamigen, spätexpressionistischen Bühnenstück von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1922, arbeitete Schlöndorff für seinen ersten Fernsehfilm – unter Wahrung der Brecht’schen Sprache – seine ganz eigene Version heraus. Auch Brechts Baal erzählt „die ungewöhnliche Geschichte eines Mannes, der in einer Branntweinschenke einen Hymnus auf den Sommer singt, ohne sich die Zuschauer ausgesucht zu haben – einschließlich der Folgen des Sommers, des Branntweins und des Gesangs“ (Brecht, zitiert im Arbeitsdrehbuch Schlöndorffs). Aufgeteilt in 24 Kapitel, holt Schlöndorff die Geschichte nun in die Gegenwart des Jahres 1969. Er stattet den Dichter zeittypisch mit Lederjacke und Zigarette im Mundwinkel aus, füllt den Raum mit Musik von Klaus Doldinger und zeigt, dass sich die Figur des „letzten anarchistischen Einzelkämpfer[s]“ (Presseheft, S. 7) in einer Zeit des künstlerischen Aufbegehrens gerade im Jahr ´69 aktueller denn je anfühlte. Für Brecht war es das erste Bühnenstück, dessen erste Fassung er im Alter von 20 Jahren als Reaktion auf das Drama Der Einsame (1917) von Hanns Johst schrieb. Als Gegenentwurf zu dessen verklärender Art, das Leben des Dichters Christian Dietrich Grabbe darzustellen, schuf der Dramatiker seinen Baal als überlebensgroße Projektion von Vitalität, Anarchie und Egomanie einer, laut Brechts eigenen Worten, ebenso „asozialen Gesellschaft“ (Brecht, zitiert im Arbeitsdrehbuch Schlöndorffs), die ihn doch geboren hat. Und so wehrt sich Baal gegen die „Verwurstung“ (ebd.) seiner Talente mit den Mitteln, die die Welt ihm selbst gelehrt hat.

Vorbereitung und Produktion

Es entstand ein sehr wundersames Bild dieses Münchner Frühjahrs 1969, das zugegeben, mehr mit uns als mit Brecht zu tun hatte. (Schlöndorff 2011, S. 183)

1969 gründet Schlöndorff zusammen mit Peter Fleischmann, dessen JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN (BRD 1968/69) im Mai des selben Jahres für Aufsehen sorgt, die Hallelujah-Film GmbH (mit Sitz in München). Ihre erste Produktion BAAL ordnet Schlöndorff als „Versuch zwischen der Kategorie ‘Film’ einerseits und der Kategorie ‘Fernsehspiel’ […] andererseits“ (Presseheft, S. 4) ein. Die Inszenierung für das Medium Fernsehen stellt ihn vor neue Herausforderungen, wie er angibt, da auf dessen kleinen Bildschirmen, im Gegensatz zur Kinoleinwand, „die Begriffe ‘Bildstand’, ‘Einstellung’, ‘Komponiertes Bild’, und die Abgrenzung von Großaufnahmen, Totalen, Schuß, Gegenschuß etc. keine Bedeutung“ (ebd.) hätten.

 Cast

Dieser Unmensch, der wie ein Baal sei, werde ihn auch spielen. (Schlöndorff 2011, S. 179)

Bei einem Theatertreffen in den Münchner Kammerspielen trifft Volker Schlöndorff erstmals Rainer Werner Fassbinder und seine antiteater-Truppe um Hanna Schygulla, Peer Raben, Irm Hermann, Rudolf Waldemar Brem und andere, die er als „ein Ensemble, das anders agierte und anders sprach als sonst auf dem Theater üblich“ (ebd.) charakterisiert. „Die meisten hatten buchstäblich keine Ahnung von Schauspielerei oder Filmtechnik. Sie waren Sekretärinnen, Taxifahrer, Kaufleute, Handwerker oder gar nichts.“ (ebd., S. 181). Fassbinder erlebt er später bei den Dreharbeiten zu KATZELMACHER als einen so unnachgiebigen, triezenden Regisseur, dass Schlöndorff in ihm die perfekte Besetzung für den Anarchisten Baal sieht. Auch die meisten anderen Nebenrollen werden aus dem antiteater besetzt, die restlichen Schauspieler bringt Schlöndorff selbst mit, unter ihnen Sigi Sommer, Marian Seidowsky, Sigi Graue und Günther Kaufmann.

Rezeption

Kritik und „Bann“

Nach der Erstausstrahlung am 7. Januar 1970 im Hessischen Rundfunk und, wenige Monate später, am 21. April im Ersten Programm löst der Film einen Sturm der Empörung auf der einen und zugleich Begeisterung und Lobgesänge auf der anderen Seite aus. Während sich das konservative Bildungsbürgertum selbst nach 1969 nicht mit der Rebellion, den neuen Freiheiten und der grenzenlosen Unbekümmertheit dieser Zeit anfreunden konnte, lobt die Presse die „ungeahnte[] Aktualität“, mit der Schlöndorff die derzeitige „von einem neuen Geniekult und gelockerten Auffassungen der Sexualmoral geprägte[n] Zeit“ transportiere. Man meine, „in Baal, seinen Mädchen und seinen Kumpanen Gestalten wiederzuerkennen, denen man täglich begegnet“, so die Süddeutsche Zeitung weiter (ebd.).

Weniger aus Gründen der unterschiedlichen Moralvorstellungen, denn aufgrund verschiedener Auffassungen der im BAAL darzustellenden Klassenstandpunkte belegt Brechts Witwe Helene Weigel den Film gewissermaßen mit einem Bann – und bewirkte damit ein Aufführungs-verbot, das über 44 Jahre andauern sollte. Es genüge nicht, „eine Lederjacke anzuziehen und sich eine Kippe in den Mund zu stecken, um sich einzubilden, man sei ein Brecht“, so ihre Kritik (Schlöndorff 2011, S. 183). In diesem Jahr, rechtzeitig zum Start der 64. Internationalen Filmfestspiele Berlin, konnte die digitale Aufbereitung des Films – auf Wirken von Juliane Lorenz, Fassbinder-Vertraute und Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation – hin schließlich ihre Festival-Uraufführung erleben.

BAAL Exposition

© Weltkino Filmverleih GmbH. Die „Baal“-DVD erscheint in der Zweitausendeins Edition Der deutsche Film.

Volker Schlöndorff über Brechts Fassungen

© Weltkino Filmverleih GmbH. Die „Baal“-DVD erscheint in der Zweitausendeins Edition Der deutsche Film.

Volker Schlöndorff über die Rezeption des Films

© Weltkino Filmverleih GmbH. Die „Baal“-DVD erscheint in der Zweitausendeins Edition Der deutsche Film.

Volker Schlöndorff über die Besetzung des Baals

© Weltkino Filmverleih GmbH. Die „Baal“-DVD erscheint in der Zweitausendeins Edition Der deutsche Film.

Volker Schlöndorff über Theater/Fernsehen. Weg vom Theater

© Weltkino Filmverleih GmbH. Die „Baal“-DVD erscheint in der Zweitausendeins Edition Der deutsche Film.

Tropikalismus in Niederbayern

© Weltkino Filmverleih GmbH. Die BAAL-DVD erscheint in der Zweitausendeins Edition Der deutsche Film.

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