• Nur zum Spaß – Nur zum Spiel. Kaleidoskop Valeska Gert (BRD 1977)

  • Nur zum Spaß – Nur zum Spiel. Kaleidoskop Valeska Gert (BRD 1977)

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  • Nur zum Spaß – Nur zum Spiel. Kaleidoskop Valeska Gert (BRD 1977)

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Synopsis

Valeska Gert wurde 1892 als Gertrud Valesca Samosch in Berlin geboren, in eine Familie, die nie etwas mit Kunst zu tun hatte.“ Tanzen war für sie Ausdrucksmittel und auch Bewältigung einer inneren Befindlichkeit, sehr persönlich, und doch immer mit gesellschaftlichem Bezug. Ihre Verbindung von Tanz, Pantomime und Schauspiel, die sie als „Grotesktanz“ bezeichnete, war radikal anders, rüttelte auf, schockierte, faszinierte.
„Ihre Ästhetik war damals so modern wie heute“, so Volker Schlöndorff in seiner Gedenkrede auf Valeksa Gerts Beerdigung.

Sie ließ sich keiner Schule zuordnen, auch nicht den Avantgardisten. Sie wetterte gegen die Expressionisten, deren schräge Bühnenbilder nur das altmodische Schauspiel verdeckten, und gegen die Realisten, indem sie feststellte: „Nur der groteske und realistische Künstler ist in Wahrheit der reale.“

Nicht wegen der immer stärker werdenden Anfeindungen und Verfolgung durch die Nazis, sondern vor allem wegen der ‚vergifteten‘ Atmosphäre ging die Jüdin Gert Anfang der 1930er Jahre immer öfter ins Ausland, um dort zu arbeiten. 1939 emigrierte sie schließlich nach Amerika, wo sie sprichwörtlich als Tellerwäscherin wieder von Neuem beginnen musste. Anfang der 1940er Jahre eröffnete sie in New York, entgegen aller Widrigkeiten, die „Beggar Bar“, eine Mischung aus Kneipe (allerdings ohne Alkoholausschank) und Kabarett.

In Schlöndorffs Dokumentarfilm NUR ZUM SPAß – NUR ZUM SPIEL. KALEIDOSKOP VALESKA GERT, der ein Jahr vor ihrem Tod entstand, erzählt Valeska Gert in ihrem Haus in Kampen auf Sylt, wo sie seit ihrer Rückkehr nach Deutschland in den 1950er Jahren das Kabarett „Ziegenstall“ betrieb, von ihrem bewegten Leben. Eine Inhaltsangabe des Films, von Volker Schlöndorff selbst notiert:

Nur zum Spaß, nur zum Spiel.

Ein Porträt und eine Biografie in 16mm Farbe von Volker Schlöndorff. Originalaufnahmen mit Kinski / Kamera Michael Ballhaus sowie bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen. /

Valeska Gert war in den Zwanziger Jahren berühmt für ihre Auftritte als „Grotesk-Tänzerin“ mit Anita Berben in Berlin, beim Prolet-Kult in Moskau und im Pariser Théatre [sic!] des Champs Elysées. Sie trat in Filmen von Pabst und Renoir auf, soll S. M. Eisensteins große Liebe gewesen sein, hatte während des Krieges einen Nachtclubkeller in New York, ein Cabaret im Berlin der fünfziger Jahre und schließlich eine Künstlerkneipe auf Sylt. /

Mit unnachahmlicher Schlagfertigkeit und der Berliner Frechheit der 20er Jahre erzählt sie von ihren Skandalen und von den Menschen, die sie traf. Vor der Kamera stellt sie mit der jungen Schauspielerin Kinski ihre Grotesttänze und Pantomimen nach. /

Hanna Schygulla sagt von ihr, sie sei die Einzige, bei der sie je hätte Schauspielunterreicht nehmen wollen.

Produktion

Wirklich aus den zwanziger Jahren stammte die unvergleichliche Valeska Gert. [Kameramann] Igor Luther hatte sie in einer Talk-Show gesehen. Ich konnte nicht glauben, dass sie noch lebte. Zuletzt hatte ich sie in der Cinémathèque [française] neben Greta Garbo und Asta Nielsen in FREUDLOSE GASSE gesehen, einem Film von 1927. Sie musste über achtzig sein, betrieb ein Kabarett in Berlin, lebte auf Sylt und hatte eine Szene in Fellinis JULIA UND DIE GEISTER, aber ihr Ruhm datierte von ihren Auftritten mit der skandalösen Nackttänzerin Anita Berber im Berlin der frühen zwanziger Jahre. Sie nannte diese Mischung aus Agitprop, Kasperletheater und wüster Pornographie „Grotesktanz“. Sie mimte Koitus, Sterben, Geboren- und Verlassen-Werden in expressionistischen Kostümen, die ihre Mutter für sie schneiderte. (Schlöndorff 2011, S. 237f.)

Volker Schlöndorff lernte Valeska Gert bei den Dreharbeiten zu seinem Film DER FANGSCHUSS (BRD/F 1976) kennen, wo sie abends nach den Dreharbeiten Geschichten aus ihrer faszinierenden Vergangenheit, „von ihrer Karriere in den zwanziger und dreißiger Jahren, in Berlin, Paris und New York“, erzählte.

Ich beschloß, einen Film über sie zu machen und fuhr im Januar dieses Jahres zu ihr auf die Insel Sylt. Am Ende eines Feldweges, am Rande von Kampen, weit entfernt von den reichen Villen und Ferienhäusern, fand ich eine kleine Kate. Zwei auf die Mülltonne gepinselte Buchstaben verraten: hier lebt Valeska Gert.

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