• VIVA MARIA! (FR/IT 1965)

  • VIVA MARIA! (FR/IT 1965)

Synopsis

Im (fiktiven) San Miguel, irgendwo in Mittelamerika, begegnen sich 1907 zwei Marias in einem Zirkuswagen. Die eine, Maria II (Brigitte Bardot), ist die Tochter eines national-irischen Terroristen, die andere Maria (Jeanne Moreau) Sängerin und Tänzerin. Maria I überredet Maria II dazu, als ihre Tanzpartnerin beim Zirkus zu bleiben. Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt gerät das Kleid der Maria II derart ins Rutschen, dass kurzerhand der Striptease erfunden wird. So erlangen die beiden Frauen schnell Berühmtheit. Während sie mit ihrem Zirkus durchs Land ziehen, schließen sie sich der Revolution an, und werden „zur Geheimwaffe einer fröhlich anarchistischen Operette“ (Schlöndorff 2011).

Vorlage

Das Drehbuch zu VIVA MARIA! verfasst Louis Malle zusammen mit Jean-Claude Carrière, den Volker Schlöndorff bei der Zusammenarbeit an diesem Film kennen lernt. Beide verbindet fortan eine lebenslange Freundschaft und Arbeitsbeziehung. Carrière schreibt mit Schlöndorff später das Drehbuch zu DIE BLECHTROMMEL und EINE LIEBE VON SWANN und ist Drehbuchautor von ULZHAN – DAS VERGESSENE LICHT.

VIVA MARIA! ist das zweite Drehbuch, das Carrière verfasst. Zuvor schreibt er für Luis Buñuel LE JOURNAL D’UNE FEMME DE CHAMBRE (Tagebuch einer Kammerzofe). Buñuels Werk schätzt Schlöndorff schon als junger Student. Während der Vorbereitung des Drehs lernt Schlöndorff „Don Luis“ in Mexiko auch persönlich kennen.

Jean-Claude Carrière schlug immerhin über Buñuel den Bogen zu den Surrealisten: Brigitte Bardot als Tochter eines irischen Bombenlegers, der enthauptete Kardinal, der seinen Kopf unter dem Arm trägt, und auch der von Jeanne Moreau am Kreuz verführte Revolutionär entstammten geradewegs dem skandalösen L’AGE D’OR von Salvador Dalí und Luis Buñuel. (Schlöndorff 2011)

Vorbereitung, Produktion

Vorarbeit und Dreh

1964 inszeniert Louis Malle Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier in Spoleto, Volker Schlöndorff wirkt als Regieassistent mit. Parallel versucht Schlöndorff, die Finanzierung für seinen ersten eigenen Spielfilm, DER JUNGE TÖRLESS, zu sichern. Willkommene Abwechslung bei dem schwierigen Unterfangen bietet sich ihm an, als er mit Louis Malle und Kameramann Henri Decae nach Mexiko geht, um den Dreh von VIVA MARIA vorzubereiten. Mit Juan-Luis Buñuel, dem Sohn von Luis, fährt Schlöndorff quer durchs Land, um Motive zu fotografieren.

Cast

In den Hauptrollen werden die beiden französischen Star-Schauspielerinnen Brigitte Bardot und Jeanne Moreau besetzt. Am Set kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den „Diven“, weshalb Louis Malle kurz davor ist, die Hauptrollen umzubesetzen.

Claudio Brook, ein mexikanischer Schauspieler, wird als  Zirkusdirektor Rodolfo besetzt. Er ist ein weiteres „buñuel’sches“ Element im Film, wirkte bei Buñuel zuvor in EL ANGEL EXTERMINADO („Der Würgeengel“, 1962) und SIMON DEL DESIERTO („Simon in der Wüste“, 1965) mit. Den Revolutionsanführer Flores spielt US-Amerikaner George Hamilton, der Malle durch seinen Auftritt in TWO WEEKS IN ANOTHER TOWN („Zwei Wochen in einer anderen Stadt“, 1962, R: Vincente Minnelli) aufgefallen war.

Rezeption

Auszeichnungen und Kritik

In Westdeutschland läuft VIVA MARIA! im Januar 1966 in den Kinos an und avanciert „zum Kultfilm vieler 68er. Schön, dass Jean-Claude Carrières surrealistische Einfälle, die Frechheit des ungezogenen Louis Malle, der Charme Jeanne Moreaus und die animalische Lebenslust Brigitte Bardots sowie das wunderbare Mexiko die graue deutsche Szene so aufgehellt haben. Irgendetwas von Land und Leuten musste dieser Pariser Kopfgeburt Seele eingehaucht haben.“ (Schlöndorff 2011)

Der Kinobesuch hinterlässt bleibenden Eindruck bei Rudi Dutschke, der den Film 8 mal gesehen haben und in ihm einen Schlüssel zum Verständnis der möglichen Rolle europäischer Intellektueller in der bevorstehenden lateinamerikanischen Revolution gesehen haben soll. Die leidenschaftlichen Frauen, die mit Charme und Witz die Revolution befeuern, für die Arbeiter und Bauern kämpfen, dabei mit Begeisterung Bomben legen und es mit Maschinenpistolen „krachen lassen“ – das traf den Zeitgeist einer sich immer stärker politisierenden Gesellschaft.

Der Film wird auch von der Kritik durchaus positiv aufgenommen. 1965 erhält er den Grand prix du cinéma français als bester französischer Film. Brigitte Bardot wird 1966 mit dem französischen Étoile de Cristal als beste Darstellerin geehrt. Jeanne Moreau und Brigitte Bardot erhalten 1967 Nominierungen für den British Academy Film Award, Jeanne Moreau gewinnt die Auszeichnung als beste ausländische Schauspielerin.

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